• Matthias Wirth

Wie bist Du denn in der CDU gelandet?

Vor ein paar Tagen teilte eine Freundin auf Facebook in einer Mischung aus Belustigung und Begeisterung mit, dass ihr Sohn jüngst bei Bündnis 90/Die Grünen Mitglied geworden sei und an eben diesem Tag sein Willkommens-Paket erhalten hatte. Zum Verständnis sollte man wissen, dass E. selbst CDUlerin aus der eher liberal-konservativen Ecke ist und entsprechen bunt waren auch die Reaktionen aus ihrem Fan-Kreis: vom ironisch gemeinten "als Eltern versagt" bis "toll, dass ihr zu Hause diese Offenheit und Breite lebt", war alles dabei.


Auf Suche nach der politischen Heimat

In der Folge entspann sich ein Gespräch darüber, wer welche Wege und Umwege genommen hat, bevor sie oder er seine politische Heimat fand. Das war auch für mich Anlass, darüber wieder einmal nachzudenken - letztlich bin ich auch immer am Schauen und Vergleichen, auch wenn ich für mich sagen würde, "im Glauben fest" zu sein.

Wer in jungen Jahren nicht links ist, der hat kein Herz und wer es im Alter noch immer ist, der hat keinen Verstand.

Dieses in hundert und einer Variante überlieferte Zitat wird mal dem britischen Premierminister Winston Churchill und mal dem französischen Ministerpräsidenten George Clemenceau zugeschrieben. Mindestens genauso oft wurde es auch verbogen, je nachdem wie man es gerade brauchte. Ganz so hart würde ich es vielleicht nicht formulieren, aber eine Grundtendenz macht es auf jeden Fall deutlich.


Schnuppern am linken Rand

Den Erstkontakt mit politisch wirklich Aktiven hatte ich in der Schulzeit auch eher mit dem linken Rand des Spektrums. Dabei spielten natürlich Freundschaften eine große Rolle. Und obendrein muss ich neidlos anerkennen, dass Die Linke (damals noch PDS genannt) in Vorpommern immerhin eine manierliche Jugendarbeit machte, wovon die CDU damals noch ein ganzes Stück weg war. Darüber, wer hinter diesen Aktivitäten stand und mit welchem Geld die finanziert wurden, macht sich ein 16jähriger zumindest nicht unmittelbar einen Kopf. Das Ziel, etwas gegen den in den 90er Jahren sehr offenen und dumpfen Rechtsextremismus zu tun, brachte die unterschiedlichsten Köpfe zusammen. Und das war ein Problem, das mit sehr ernsten Konsequenzen bis in meinen damaligen Schulalltag hineinreichte.


Prägung siegt

Wirklich lange dauerte dieser "Linksblick" auch nicht wirklich. Da war die Prägung durch mein klar konservatives Elternhaus wohl doch intensiv genug. Was folgte dann? Ich würde sagen, ein paar Jahre der Orientierungslosigkeit mit klaren CDU-Sympathien. Das erste Mal wählen durfte ich 1998 und ich machte mein Kreuz bei der CDU. Das weiß ich deshalb noch genau, weil ich nie "abtrünig" geworden bin - außer "geringfügig" bei einer Bundestagswahl, bei der ich auf die Zweitstimmenkampagne der FDP angesprungen bin. Geholfen hat 1998 meine Stimme Helmut Kohl auch nicht mehr. Im Rückblick muss man sagen, dass seine Zeit eindeutig abgelaufen und die Wahlniederlage die logische Konsequenz war.


Eintritt - ohne Begrüßungspaket

Irgendwann ist dann auch der Knoten geplatzt und ich bin in die CDU eingetreten. Das war 2002 in Greifswald, ziemlich unspektakulär und ohne filmreife Geschichte drumherum. Und ein Begrüßungspaket, dass es auch nur annährend mit dem oben erwähnten hätte aufnehmen können, gab es auch nicht. Meine wesentliche Tiefenprägung geschah während meiner Zeit als Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Seminare im Rahmen der politischen Bildung sind mit Geld nicht zu bezahlen und die Ruhe und Zeit sich derart intensiv mit den Grundlagen unseres Staates zu befassen, hat man später nur noch selten.


Sichtlich vergnügt bei der Langen Nacht der Politik 2019 in Düsseldorf

Ende der Politikferne

Nach einer Lebensphase in der für mich der Fokus klar auf der beruflichen Entwicklung lag, habe ich nach meinem Umzug 2014 begonnen, mich wieder intensiv politisch zu engagieren. Die Energie, dieses wieder zu tun, spürte ich schon längere Zeit davor. Wenn man allerdings berufsbedingt die meiste Zeit des Jahres aus dem Koffer lebt, ist an eine Mitarbeit in einem Vorstand nicht zu denken - ohne Kontinuität macht das keinen wirklichen Sinn. Letzten Endes bin ich ganz froh darüber, dass es in Summe so gelaufen ist, denn Lebenserfahrung und innere Reifung haben noch keinem geschadet, wenn man dabei im Kopf jung bleibt. Das nehme ich hier jetzt einfach mal für mich in Anspruch. ;-)



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