• Matthias Wirth

RE10-Strecke in Trägerschaft von Kreis und Kommunen

Einen interessanten Gedanken zur Zukunft des RE10 brachte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst bei seinem Besuch in Kevelaer vergangenen Freitag ins Spiel: Die Überführung der RE10-Strecke in kommunale Trägerschaft.


Alltag beim RE10: Verspätung

Im Rahmen des „Bürgerdialogs“ der CDU Kevelaer hatte eine Bewohnerin verständlicherweise die Zustände auf der linksrheinischen Eisenbahnlinie kritisiert: permanente Verspätungen, Zugausfälle, mangelnde Informationen, Verschmutzung der Züge und gerade in Corona-Zeiten eine bedenkliche Überfüllungen in den Stoßzeiten vor und nach der Schule – im Grunde alles keine Neuigkeiten, dennoch immer wieder ein Ärgernis, gerade wenn man selbst davon betroffen ist oder Kinder auf dem Weg zur Schule es sind.



Streckenzustand: marode

Trennt man einmal die mit dem Betrieb des Wagenparks in Verbindung stehenden Probleme und die Defizite im Servicebereich ab, begründen sich die Verspätungen und Zugausfälle in der hoffnungslos veralteten Strecke zwischen Krefeld und Kleve. Dabei spielt nicht nur die weitgehende Eingleisigkeit eine Rolle, sondern vorrangig die marode Stellwerks- und Schrankentechnik. Die Situation, in Kevelaer warten zu müssen, weil mal wieder der von Weeze kommende Zug aufgrund von Stellwerksproblemen hängen geblieben ist, kennt beinahe jeder regelmäßige Nutzer des RE10.

Interesse der DB Netz: Null

Allen Bemühungen vieler Akteure im Kreis Kleve zum Trotz bleibt es am Ende bei dem, was Hendrik Wüst klar und deutlich aussprach:

„Die Deutsche Bahn hat schlicht kein Interesse an der Strecke“.

Und diese Tatsache wird auch immer der Hemmschuh bleiben, wenn man nicht versucht, das Problem grundlegend anzugehen.

Ausweg: Eigenbetrieb der Strecke

Eine Lösungsmöglichkeit könnte die Überführung des Streckenabschnittes Krefeld – Kleve in die Trägerschaft einer Arbeitsgemeinschaft aus Kreis und Kommunen sein, quasi ein Abkauf von der DB Netz. Ein denkbares Vorbild dafür wäre die Regiobahn, offiziell: Regionale Bahngesellschaft Kaarst-Neuss-Düsseldorf-Erkrath-Mettmann-Wuppertal mbH (https://www.regio-bahn.de/). Auch hier wurde ein Teil des Schienennetzes in kommunale Trägerschaft überführt und wird seit 1998/99 erfolgreich von den anliegenden Städten betrieben. Diese Denkrichtung sollten wir im Kreis Kleve nach meiner Meinung weiterführen, auf ihre Machbarkeit hin untersuchen und nicht gleich mit einem lapidaren „zu teuer“ abweisen. Hendrik Wüst wies nicht umsonst darauf hin, dass er sich eine Unterstützung seitens des Landes dabei vorstellen kann. Ohne diese wäre die Ertüchtigung und der dauerhafte Betrieb der Strecke sicher illusorisch, aber diese Gelder fließen ja auch an die DB Netz, bzw. würden es tun, sofern die Bahn Sanierungsabsicht anmelden würde.

Potential: Hoheit über den RE10

Von heute auf morgen wird damit gewiss nicht alles besser. Aber wir würden die „Hoheit“ über die Strecke zu uns in die Region holen, wo die Motivation für Ausbau und Betrieb eine ganz andere ist, als in einer DB Netz Zentrale. Eine Sanierung der Strecke würde auf diesem Wege mit einiger Wahrscheinlichkeit schneller erfolgen. Weiteres Potential erschließt sich, wenn man den Personennahverkehr im Kreis neu aufstellen möchte, was der Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger ist. Der RE10 bildet die Achse Düsseldorf – Kleve mit Anbindung an den Fernverkehr, die Städte und Gemeinden ohne Bahnhof werden mit Schnellbuslinien verknüpft und an die Bahnstrecke angeschlossen. Den Zubringerverkehr zu diesen Knotenpunkten im Schnellbusnetz übernehmen entweder andere Buslinien, Kleinbusverkehre oder Mobility-on-demand-Angebote.

Attraktiver Nahverkehr: Standortfaktor

Die Anforderungen an Mobilität ändern sich und die Qualität des Öffentlichen Personennahverkehrs ist gerade für junge Menschen und Pendler ein entscheidender Standortfaktor, der seitens der Politik im Kreis Kleve eine höhere Beachtung bekommen muss. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalens ist gewillt, moderne Nahverkehrskonzepte zu unterstützen und neue Formen zu erproben. Alles in allem eine Ausgangslage, die wir nutzen sollten, denn der Kreis Kleve braucht dringend einen zuverlässigen und pünktlichen RE10.


Download: Material zu Geschichte und Struktur der Regiobahn

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